Genetische Variante im Geschlechtschromosom X verzögert das Auftreten von Aids bei HIV-infizierten Frauen

03.08.2009

Ein vom Fritz-Lipmann-Institut in Jena koordiniertes, internationales Forscherteam hat erstmals eine genetische Variante auf dem X-Chromosom identifiziert, die bei HIV-infizierten Frauen, aber nicht bei Männern, mit einem verlangsamten Verlust von Immunzellen in Zusammenhang steht.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Immundefizfienviren

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Immundefizfienviren (dunkel), die eine Vakuole im Zytoplasma der Zelle befallen haben.F.J. Kaup, DPZ
Quelle: idw-online.de

Es wurden zwei relevante Genom-Regionen entdeckt. Eine davon liegt auf Chromosom 4 und umfasst Gene der Immunantwort, von denen man weiss, dass sie nach Virusinfektionen bei Rhesusaffen wie Menschen aktiv werden. Die Entdeckung der zweiten Region, auf dem X-Chromosom der Rhesusaffen, ist eine echte Überraschung. In der fast 30-jährigen Geschichte intensiver HIV- und AIDS-Forschung war bislang kein Hinweis für die Beteiligung des Geschlechtschromosoms X am Krankheitsverlauf gefunden worden. Um den Befund aus Rhesusaffen beim Menschen zu bestätigen, analysierte das Team die entsprechende Region des X-Chromosoms bei HIV-infizierten Patienten und es wurde tatsächlich eine vorteilhafte genetische Variante entdecken, die nur bei Frauen mit einem verlangsamten CD4-Zellverlust einhergeht.

Häufiger bei Asiatinnen

Bemerkenswerterweise ist die "vorteilhafte" SNP-Variante in Asien deutlich häufiger vertreten als in der afrikanischen und europäischen Bevölkerung. Während von den bislang untersuchten HIV-infizierten Patientinnen europäischer Herkunft nur ein Anteil von etwa 20% den vorteilhaften SNP trägt, dürfte dieser bei der Mehrheit der asiatischen Frauen vorkommen. Mit den Erkenntnissen der im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Studie eröffnen sich neue Wege, die Entstehung und Behandlung von AIDS auch unter geschlechtsspezifischen Aspekten zu erforschen.

Tiermodell

Die Suche nach dem genetischen Faktor erfolgte mithilfe eines Tiermodells, das auf engen evolutionären Verwandtschaft zwischen Mensch und Rhesusaffe (Macaca mulatta) beruht. Genetische Faktoren, die eine Virus-Infektion beim Rhesusaffen beeinflussen, sollten eine Entsprechung bei der HIV-Infektion des Menschen haben, so die Hypothese des Forscherteams.

Forscherteam

Die Untersuchungen wurden von einem Forscherteam der Arbeitsgruppe Genomanalyse am Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena, zusammen mit Kollegen der Abteilung Infektionsmodelle am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen (DPZ), des Instituts für Medizinische Informatik und Statistik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie des Cologne Centers for Genomics der Universität zu Köln durchgeführt.

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