Aktivisten fordern Stopp von PrEP-Studie

27. November 2016

Organisationen aus den USA und Europa haben Gilead aufgefordert, seine DISCOVER-Studie zur PrEP mit dem Medikament Descovy® vorläufig zu stoppen.

In einem Offenen Brief an Douglas Brooks, der bei Gilead für die Community-Einbeziehung zuständig ist, bringen die Aktivist_innen ihren „großen Unmut“ darüber zum Ausdruck, dass das Unternehmen die Studie vorantreibt, ohne relevante Akteur_innen (Stakeholder) angemessen einzubeziehen. Die Studie sei damit „handwerklich schlecht gemacht“ und trage den Keim ihres Scheiterns in sich – so wie auch andere PrEP-Studien bereits an mangelnder Community-Beteiligung gescheitert seien.

In der DISCOVER-Studie sollen das bereits zur HIV-PrEP zugelassene Medikament Truvada® und das Nachfolge-Präparat Descovy® miteinander verglichen werden. Die Unterzeichner_innen des Briefs werfen Gilead vor, potenzielle Teilnehmer_innen nicht ausreichend darüber zu informieren, dass Sicherheit und Wirksamkeit von Descovy® noch nicht erwiesen seien. Stattdessen werde der Eindruck erweckt, Descovy® sei sogar sicherer, wirksamer und besser verträglich, heißt es in einem Hintergrundpapier.

Angesichts des „Ausmaßes und der Dringlichkeit“ der Probleme fordern die Aktivist_innen Gilead auf, die Studie vorläufig zu stoppen, die Einrichtung je einer Community-Beratungsgruppe für Nordamerika und Europa und die bisherigen Werbematerialien gemeinsam mit den Community-Gremien überarbeiten.

Position Deutsche AIDS-Hilfe

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) teilt die Kritik: „Gilead muss die Spielregeln einhalten. Ganz besonders bei Präventionsstudien ist die Beteiligung und frühe Einbindung der Community unverzichtbar“, sagt DAH-Medizinreferent Armin Schafberger. „Bei der Discover-Studie besteht dringender Handlungsbedarf.“

Während in den USA schon für die Teilnahme an der Studie geworben wird, verzögert sich der Start in Europa zurzeit. Die ersten Teilnehmer können voraussichtlich erst im Januar aufgenommen werden. Die Forderung nach einem vorläufigen Stopp der Studie teilt die Deutsche AIDS-Hilfe nicht, da die Studie für viele die einzige Möglichkeit zum Zugang zur PrEP ist.  Mehrere hundert Interessierte sind schon seit Monaten auf den Wartelisten der vier deutschen Studienzentren. Eine weitere Verzögerung könnte bedeuten, dass die Studienplätze schon weitestgehend an Teilnehmende aus den USA vergeben sind, bevor es in Europa losgeht.

Zu den Erstunterzeichnern des Offenen Briefs gehören die Treatment Action Group (New York/USA), der National Minority AIDS Council (Washington D.C./USA), AIDeS (Frankreich), REZO, santé et mieux-être des hommes gais et bisexuels, cis et trans (Montréal/Kanada), PrEPster.info, The Care Center (Long Beach, CA/USA), iwantprepnow.co.uk (London/Großbritannien), die European AIDS Treatment Group (Brüssel/Belgien), AVAC (New York/USA), die AIDS Foundation of Chicago (USA), International Rectal Microbcides Advocates (Chicago/USA), die HIV Prevention Justice Alliance (USA) und die National Female Condom Coalition (USA).

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