2/2020 Editorial
Liebe Leserin,
lieber Leser,
HIV&more fast ohne HIV
Seit Anfang März gibt es kein anderes Thema mehr: Corona – SARS-CoV-2 – COVID-19. Nichts anderes in der Zeitung, im Fernsehen und auch nicht in der Forschung. Alle medizinischen Fachrichtungen konzentrieren sich derzeit auf COVID-19 (meist in Großbuchstaben wie damals AIDS). Auch in HIV&more überwiegt diesmal das „more“ in Form von COVID-19, wobei nicht nur medizinische Aspekte beleuchtet werden, sondern auch die Beteiligten selbst zu Wort kommen. Wie haben sie die heiße Phase der Corona-Krise erlebt?
Die Stunde der Virologen
Durch COVID-19 haben in Deutschland alle Menschen die Bedeutung der Infektiologie wahrgenommen. Kein Tag ohne Robert Koch-Institut, kein Tag ohne einen Virologen/Infektiologen (Frauen scheinen unterrepräsentiert zu sein) in Funk und Fernsehen. Das Spektrum an Persönlichkeit, Seriosität, Professionalität usw. ist hier breit gefächert ebenso wie der Umgang mit den Medien. Wissenschaftliche Studien als öffentliches Ereignis im politischen Umfeld, hastige Publikationen, Twitter-Kämpfe und persönliche Angriffe sind dem neu gewonnen Image der Infektiologie allerdings sicher nicht zuträglich.
Erinnern ist wichtig!
Die Anfänge der Corona-Pandemie erinnern an den Beginn der HIV-Epidemie in den 80er Jahren und die schwere Zeit ohne Therapiemöglichkeit. Die Erinnerung an positives Leben und Aktivismus vor 30 Jahren soll nicht verloren gehen. Flugblätter, Tagebücher, Briefe und andere Spuren sollen nicht im Altpapier landen. Der Arbeitskreis ‚Aids-Geschichte ins Museum‘ der Deutschen Aidshilfe engagiert sich daher für den Erhalt von Bewahrenswertem.
Dr. Ramona Pauli